Motoren der Wirtschaft

Name als Programm

(Pro Magazin 8/2006)

Herbert Hauke (1.) und Chris Vogler haben aus dem Zwei-Mann-Betrieb Softwareschmiede ein mittelständisches Unternehmen mit 28 Mitarbeitern gemacht.

Mut, eine tragfähige Idee und zwei junge Leute, die gut zueinander passten, das war die Ausgangslage, als sich Chris Vogler und Herbert Hauke 1986 selbstständig machten. „Softwareschmie.de" nannten sie ihre kleine Zwei-Mann­Firma, in der Hoffnung, dass der Name bald Realität werden würde. Es dauerte einige Jahre, bis es soweit war. „Unser erster Auftrag war ein Mitgliederverwaltungsprogramm für ein Heilbronner Sportstudio zu erstellen. Als wir das geschafft hatten, konnten wir uns den ersten eigenen Computer kaufen", so Chris Vogler (44), der sich als Geschäftsführer heute um die Organisation, das Produktdesign und den Vertrieb kümmert. Mitgeschäftsführer Herbert Hauke (42) ist vor allem für die technische Weiterentwicklung zuständig. 1990 wandelten die Freunde die Gesellschaft bürgerlichen Rechts in eine GmbH um und stellten den ersten Mitarbeiter ein.

„Dennoch war es noch so, dass wir immer schauen mussten, wie wir uns über Wasser halten", erinnert sich Chris Vogler an die Pionierzeit zurück.

Der Durchbruch kam 1996, als der Computerdienstleister dsb AG mit Sitz in Neckarsulm, der größte verlagsunabhängige Spezialist für IT Lösungen für die Medien- und Versandhandelsbranche in Deutschland, Kunde der Softwareschmiede wurde und zunehmend größere Unternehmen auf das Know­how der Software-Schmiede setzten. 1996 stieg die dsb als Hauptgesellschafter in die GmbH ein.

„Nun hatten wir die finanziellen Mittel, unsere Software komplett auf Windows umzustellen", schildert Vogler. Mit dem selbst entwickelten Professional ERP, einem Softwareprogramm für das Unternehmensmanagement mittelständischer Firmen, kam der Erfolg. Heute arbeiten über 900 Firmen aus ganz Deutschland mit der weiterentwickelten ERP-Software, die einfach und schnell alle Daten eines Unternehmens verwaltet.

„Der Kunde soll seine komplette Verwaltung auf einen Blick vor sich haben", sagt Chris Vogler, der viele Jahre auch als erfolgreicher Tourenwagenfahrer auf sich aufmerksam machte. Inzwischen ist die Softwareschmiede Tochterunternehmen der dsb, die 75 Prozent der Anteile hält. 1999 zog man als Mieter in einen Seitenflügel des imposanten TDS-Gebäudes im Neckarsulmer Trendpark. Heute sind dort 28 Mitarbeiter beschäftigt, viele davon hat man selbst als Studenten der Berufsakademie mitausgebildet. Niederlassungen gibt es in Schulzendorf bei Berlin, Aschaffenburg, Koblenz und Hei­ligenhaus bei Essen.

Um den Trend zu mehr Dienstleistung mitzugehen, wird permanent die Flexibilität und Funktionalität der Software weiterentwickelt. Denn für viele Unter­nehmen bildet die digitale Organisation inzwischen praktisch das Zentralnervensystem. „Jedes Firmenprojekt hat immer ganz spezielle Anforderungen", betont Mitgeschäftsführer Herbert Hauke. „Das ist wie in der Formel eins, Stillstand ist Rückschritt", ergänzt Vogler. Gemeinsam mit den Kunden wird an der Standard­software gefeilt, werden immer mehr Dienstleistungen integriert. Längst ist der Name der Neckarsulmer Firma eben auch Programm geworden.

Thomas Zimmermann

INFO:
Softwareschmiede
Standort: Neckarsulm
Branche: Softwarehersteller
Beschäftigte: 28
Umsatz: 2,1 Mio. Euro (2005); (2004: 1,7)
www.softwareschmiede.com

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